Asthma – Syndrom

 Asthma

Eine  Häufung von Husten, Luftnot und/oder  Giemen bezeichnet man als Asthma bronchiale. Berufsbedingte und allergische Auslöser sind ebenso wie kalte Luft bekannte Risikofaktoren. Familien-Studien sowie Studien bei eineiigen Zwillingen  belegen eine starke genetische Beziehung.  Beim Asthma spricht man inzwischen davon, dass ca. 60 Prozent der Erkrankung vererbt werden. Asthmatiker weisen in 60-80% der Fälle begleitend eine Refluxkrankheit auf.

Klinische Defintion

Asthma ist eine chronische T-Zell-vermittelte, anfallsweise auftretende Erkankung, bei der die Entzündung in den Bronchien zur Verdickung und Verengung der Atemwege und zur Kontraktion der glatten Muskelzellen führt.

Pharmakologische Definition

Asthma ist eine häufige chronische Erkrankung der Atemwege unklarer Herkunft, für die man eine Anzahl von pharmakologischen Behandlungsverfahren entwickelt hat.  Asthma ist mehr ein Syndrom als eine eigenständige Erkrankung und hat vielfältige umgebungsbedingte und genetische Einflussfaktoren.

1.Probleme der bisherigen Asthma-Definition der Jahre 2000-2013: Die Anwendung der bisherigen Asthma-Definition (GINA 2001, WHO-2011) wird weltweit immer weniger akzeptiert, weil die Asthma-Definition mit den pharmakologischen Ergebnissen nicht mehr zusammenpasst. Die Asthma-Mortalität (Sterblichkeit) sinkt und die Morbidität (Erkrankungs-Häufigkeit) steigt. Die Ergebnisse sind schlicht ernüchternd bis niederschmetternd. Trotz aller medizinischen Bemühungen erlangen selbst unter Studien-Bedingungen (INSPIRE-Studie) weniger als 30% der Asthmatiker den Status eines kontrollierten Asthma bronchiale. Von den restlichen Betroffenen hatten 51% ein unkontrolliertes Asthma und 21% ein teilweise kontrolliertes Asthma. Wir verfehlen also bei zwei Drittel der Asthmatiker das Therapie-Ziel der Asthma-Kontrolle.

2.Die GINA-Klassifikation-2014 (Global Initiative On Asthma: www.ginaasthma.org) ist Folge eines tiefgreifenden Paradigmen-Wandels in der Medizin. Auslöser waren u.a. die miserablen Ergebnisse der Asthma-Kontroll-Studie-INSPIRE und die weltweit zunehmende Prävalenz der Asthma-Erkrankten. Dort erreichten nur 28% der Asthmatiker einen gut kontrollierten Status.

Quelle: Attitudes and actions of asthma patients on regular maintenance therapy: the INSPIRE study Martyn R Partridge1*, Thys van der Molen2, Sven-Erik Myrseth3 and William W Busse: BMC Pulm Med. 2006 Jun 13;6:13.   http://www.biomedcentral.com/1471-2466/6/13

3.Innovations-Schub: Dabei sind die herausragenden auslösenden Ereignisse des stattgefundenen Paradigmen-Wandels der Gastroenterologie und HNO-Heilkunde zu verdanken. Die Ergebnisse in diesen Disziplinen führten in der Montreal-Klassifikation „ad hoc“ zur Definition der aero-digestiven Erkrankungen. In der HNO-Heilkunde haben die amerikanischen Kollegen Koufman und Belafsky durch innovative Forschungsergebnisse die zentrale Bedeutung der Refluxkrankheit im Zusammenhang mit dem Laryngo-pharyngealen-Reflux bei den oberen Atemwegs-Infekten herausgearbeitet.

4.Inkohärenz: Bei einer 2014 veröffentlichten Studie zum Grad der Übereinstimmung der Asthma-Kontrolle zwischen Arzt und Patient wird es dann ganz unübersichtlich.

Asthma-Kontrolle   GINA – Report 2014 – Arzt-Einschätzung   vs Patienten-Einschätzung :  

Modifiziert nach: Price D et. al. Prim Care Respir Med 2014; 24:14009 / GINA-Report – Stand-05.09.2014

Bei dem Schaubild zeigt sich deutlich eine völlig auseinanderklaffende Arzt-Patienten-Einschätzung über ein einziges Thema: Die erzielte Asthma-Kontrolle.

Zusammenfassend kann man festhalten: Es existieren keinerlei Übereinstimmungen. D.h., die Asthma-Arbeits-Hypothesen passen nicht zur erlebten Asthma-Realität der Patienten.

5.Im Jahr 2013 wurde in der GINA-Asthma-Klassifikation ein bedeutender Paradigmen-Wandel für die Pneumologie eingeleitet. Zwei wesentliche Bausteine der Asthma-Diagnose wurden gecancelt: Das Verfahren der inhalativen Provokation sowie der Nachweis der Reversibilität der Atemwegsobstruktion ist damit als Kriterium des diagnostischen Gold-Standards beseitigt worden. Zwei wesentliche Ritter an der Tafelrunde von König Asthma haben damit ihre Funktion bei der Konstitution der Asthma-Diagnose verloren. Es sind die beiden herausragenden Schwerter: Hyperreagibles Bronchial-System und Reversibilität der Atemwegs-Obstruktion. Beide sind für die Asthma-Diagnose nicht mehr erforderlich.   Hinzugekommen ist ein vermeintlich neuer Anwärter namens Heterogenität. Wie er Name schon verrät, ist er ein „Tausendsassa“ und wir können ihn wohl für Vieles verantwortlich machen.

6.Offene Asthma-Syndrom-Definition: Aus diesem Grunde setzt sich eine offenere, aus der Arbeitsgruppe von Jeffrey Drazen und Lyle J. Palmer entwickelte Asthma-Definition verstärkt durch. Sie verstehen „Asthma ist eine häufige, chronische Erkrankung der Atemwege unklarer Herkunft, für die man eine Anzahl von pharmakologischen Behandlungsverfahren entwickelt hat. Asthma ist mehr ein Syndrom als eine eigenständige Erkrankung und hat vielfältige umgebungsbedingte und genetische Einflussfaktoren“ unter dessen Namen verschiedene Entitäten Platz finden.“

Quelle:   Lyle J. Palmer et. al.: Pharmacogenetics of Asthma.   Am. J. Resp. Crit. Care Med.: Vol 165, No 7 April 2002: 861-866

7.Individualisierung und Phänotypisierung: Für die Individualisierung der Asthma-Diagnostik und Therapie wird damit auch eine neue, offene Asthma-Definition benötigt.   Die internationale Diskussion fordert bei gleichzeitiger Auflösung der bisherigen Asthma-Definition (GINA, WHO) eine Individualisierung der Diagnose–und Therapie-Anstrengungen. Diesem Ziel versucht man mit einer Phänotypisierung der verschiedenen Endo-Typen näher zu kommen. Wie dieses Verfahren ablaufen soll, ist jedoch noch völlig ungeklärt. Pneumo-update 2014, Wiesbaden

Es bleibt die völlig offene Frage: Wie sollen wir Asthma überhaupt noch diagnostizieren ? Das vorläufige Fazit lautet: Wir sollen die Asthma-Diagnose individualisieren.

Pneumo-update 2014, Wiesbaden

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